Impulse für ein entspannteres Zusammenleben

Das Internet hebt alle räumlichen und zeitlichen Trennungen auf  – und jetzt sind wir plötzlich irgendwie eins, eine Weltgemeinschaft. Aber denken wir auch so?

In den meisten Fällen denken wir doch eher in starren Schubladen, oder? Wir schreiben einzelnen Individuen auf Grund äußerlicher Merkmale bestimmte Eigenschaften zu, bewerten die für uns und grenzen dadurch ab und aus.  Dass wir das tun liegt irgendwie nahe: jeder von uns sehnt sich danach, die Welt zu verstehen, Zugehörigkeit zu empfinden,  Kategorie und System zu sehen. Ist man in einem deutschen Kopf allerdings erstmal einer Gruppe mit all den zugeschriebenen positiven und negativen Eigenschaften zugeordnet, ist es umso schwerer, aus dieser Ecke wieder herauszukommen. Und anstatt einzusehen, dass jemand nicht so ist, wie man das in seinem Kopf gerne hätte, drängt man ihn zu Rechtfertigung.

 

Die oftmals stark vereinfachende, mediale Berichterstattung ist meinem Beobachten nach gelegentlich treibender Faktor des Problems. Im Versuch, die Welt zu erklären und vor möglichen Gefahren zu warnen, werden Stereotype und Klischees bedient. Moralvorstellungen, die sich bei genauerem Hinsehen als Glaubenssätze enttarnen ließen, werden vorschnell als universelles Gesetz übernommen. Und wer mit seinen Ansichten nicht der eigenen Moralvorstellung entspricht, über den erhebt man sich eher als sich kritisch aber offen mit ihm und seiner Sichtweise auseinanderzusetzen.

 

Dabei wird doch immer deutlicher, wie komplex die Zusammenhänge sind, in denen wir existieren. Jeder einzelne Mensch ist unglaublich komplex mit seiner eigenen Geschichte, der Geschichte seiner Vorfahren, die ihn prägt ohne, dass darüber Bewusstsein herrschen würde, mit Charaktereigenschaften und Macken. Wir haben alle etwas gemeinsam: wir wollen glücklich sein. Klingt pathetisch, ja. Aber jeder möchte beispielsweise Anerkennung und Respekt erfahren.

 

Warum nicht genau das tun? Warum begreifen wir uns nicht endlich als Gemeinschaft, in der alle das Streben nach Glück teilen und gehen in dem Bewusstsein mit uns und unseren Mitmenschen um? Vielleicht sollten wir lieber miteinander statt übereinander reden. Vielleicht sollten wir häufiger unvoreingenommen nach dem „warum“ fragen, anstatt unser Gegenüber mit unserer Weltanschauung zu überschütten. Vielleicht sollten wir uns und unserem Gegenüber Pausen zugestehen, um all die Eindrücke die tagtäglich auf uns einprasseln verarbeiten zu können. Vielleicht ist es auch völlig okay, seine Meinung gelegentlich zu ändern. Vielleicht sollten wir uns wirklich ernsthaft kennenlernen. Uns selbst, indem wir erforschen wie unsere Geschichte unsere Weltsicht und unser Verhalten beeinflusst - und alle anderen, indem wir nachfragen, warum sie Dinge sehen, wie sie sie sehen.